Eines der letzten Kleindörfer der Schweiz

Fotoquelle: hammerschweizer

Simplon Dorf? "Ja kenne ich, war im Militär dort oben". Bei der Rückfrage, wann das letztemal?, folgt meistens "Ouh, das ist lange her". Demnach kennen Sie das Haus.... ? Das Dorf?...."Äh....oh...so gut kenne ich es auch wieder nicht". Also kennen sie es nicht. Dafür wohl Netflix und Bachelor.

Fotoquelle: hammerschweizer

Simplon Dorf, Deine Schönheit bezaubert mich! Auf 1476 m liegen Deine alten Häuser, Ecken, Erker, Haustüren, Steintreppen, Fenster, Balkone, Gärten, Steinplattendächer. Der Dorfkern ist im Inventar für schützenswerte Ortsobjekte eingestuft. Etliches erinnert an Napoleon, an grausame Schlachten, an Tote, Blut, Leid, Trauer. Zum Glück fast nur noch im Museum oder Geschichtsbüchern.

Eine ehemalige Bundesrichterin hat hier oben ihre Wochenendwohnung. Etwas das nur wenige kennen, aber schon viel davon gehört: Hier steht das alte Gasthaus wo Napoleon erbaute. La Poste. Im Dorf sieht man noch intakte Häuser mit Schieferdächer. Hier geht man noch durch Treppen wo Napoleon und seine Truppen durchgingen. Ein Problem für junge Simpliner besteht aber: Etliche würden gerne Häuser übernehmen und erneuern, aber harte Gesetze verbietet es ihnen. So darf man an bestimmten Häusern nicht einmal die Eingangstüre etwas vergrössern.

Fotoquelle: hammerschweizer

Arbeitsplätze gibt es im Dorf. Beim Schreiner, in der Bäckerei, Kraftwerk, Forst, Strassenunterhalt, Hotel, Spenglerei, Käserei, Baugeschäft. Einheimische hören sich nach Namen wie Zenklusen, Arnold, Escher an. Hier in Simplon Dorf, wohnte der erste Bundesrat aus dem Kanton Wallis. Man kann noch sein Haus sehen. Am 09. Dezember 1954 verstarb er direkt im Bundeshaus. Zusammenbruch. Sein Grab befindet sich aber nicht in Simplon Dorf, sondern in Glis-Brig. Ein Denkmal steht aber auf dem kleinen prächtigen Dorfplatz von Simplon

Simplon Dorf, Fotoquelle: hammerschweizer

Fotoquelle: hammerschweizer

Wer Unterhaltung und Spektakel sucht, der darf niemals nach Simplon fahren. Hier gibt es keinen Mainstream Tourismus. Das Dorf setzt auf sanften Tourismus, auf Natur, Ruhe, Geschichte, Erholung. Ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass ich das Dorf recht gut kenne. Seit Jahren fahren wir immer wieder nach Simplon Dorf. Dreimal schon nahmen wir an der Dorfführung teil. Mehrmals in den Ferien, mehrmals einfach "schnell hochgefahren mit Bahn und Bus. Und: Reden mit den Einheimischen. Fragen stellen.

Eine davon stellte ich Herr Arnold, einer welcher Gäste durch das Dorf führte: Wie ist der Zusammenhalt im Dorf? Er versprach mir, seine Antwort sei ehrlich, wenn er sage, dass es zum ganz grossen Teil wirklich noch gut sei.

Fotoquelle: hammerschweizer

Ein Hingucker wie wunderschön die Berge strahlen.

Strasse zu Dorfeingang

Hier geht es zum wunderbaren Dorfplatz / Fotoquelle: hammerschweizer

Zweimal war ich unten im Hotel Fletschhorn. Geschichtsträchtig. Wundervolle alte Gaststube! Nur: Frau Roswitha Escher, eine freundliche Gastgeberin, hatte in den Jahren ein Koch, der seinen Beruf verfehlte. Seither reicht mir ein Trink auf der Terrasse.

Mein bevorzugtes Einkehrhaus heisst seit längerem Grina. Hotel Grina. Drei Zimmer sind ganz erneuert (Stockwerk) die anderen halt ein wenig in die Jahre gekommen, aber sehr sauber. Vom Pass herkommend biegt man rechts ins Dorf ein, nach der ersten scharfen linkskurve fährt man noch 300 Meter, dann steht rechts, ein wenig zurückversetzt, das Hotel. Gleich nach der Haltestelle Post rechts.

Fotoquelle: hammerschweizer

Geführt wird es von Herr und Frau Romeo & Rita Arnold-Baumgartner. Hoteliers könnten sich ein ganz grosses Stück von Frau Arnold abschneiden, wie man mit Gästen umgeht. Sie führt den Betrieb "vorne", Herr Arnold in der Küche. Freundlich, Aufmerksam, Qualität. Wünsche zum Essen werden erfüllt. Bsp: Ich hätte anstelle.....gerne dies.....wäre es möglich statt das dies?...... Toll. Flexibel, der Kunde zählt.

Mit dem Zug geht es über Bern nach Brig, von dort mit dem Postauto nach Simplon Dorf. Allein die Busfahrt ist ein Ausflug wert, zeigt der Simplonpass links und rechts doch seine einmalige Bergwelt. Von Brig färt man in knapp eine Stunde in Dorf Simplon.

Beim letzten Besuch geniesst im schönen Restaurant, am langen Tisch, über den Mittag eine Gruppe jüngerer Walliser ein Raclette. Die sind extra unten von der Umgebung Brig, mit dem Bus über den Pass gefahren ins Hotel Grina. Wenn das kein Ausweis für die Familie Arnold ist!

Da ich angemeldet bin, ist der Tisch reserviert. Ich bestelle: Entrecote mit hausgemachtem Kräuterbutter, Pommes frites, Nüdeli, Gemüse, grüner Salat mit Sauce vom Haus. Zum Dessert creme brulee. Für das Entrecote wünschte ich "75 % durä". Küchenchef Arnold erklärte mir auf Nachfrage, er habe die 75 % ohne technische Zusatzhilfe hingekriegt. Er mache das immer so. Es ist ihm super gelungen.

Fotoquelle: hammerschweizer

Gegenüber dem Dorf sieht man die lange Brücke der Umfahrung des Dorfes Richtung Gondo. (Zollübergang). Sie stört nicht. Das Lastwagengeräusch kaum wahrnehmbar. Im 2017 wollte ein Kamerad auch mal nach Simplon. Später wanderten wir vom Dorf zum Pass hoch. Wir kamen an lauschigen Orten vorbei, an alten, zu Ferienhäuschen umgebauten Steinhäusern, an einer Pferdestation. Ganz ruhig ist der Wanderweg nicht, führt er doch ab und zu unweit der Schnellstrase entlang.

Fotoquelle: hammerschweizer

Ich könnte Ihnen noch viel mehr erzählen von diesem alten wahren echten Schweizer Dorf. Ein Dorf eben. Nicht "gruusig" verbaut. Keine grässlichen Betonblöcke. Es gibt ein kleines Buch über Simplon von Peter Arnold. Es war so spannend, dass ich es innert zwei Tagen während den Ferien in Simplon durchlas. (277 Seiten)

Gestehen muss ich Ihnen etwas, vielleicht, makaberes: Der Friedhof von Simplon Dorf. Direkt hinter der Kirche liegend. Für mich der schönste Kleinfriedhof, den ich bisher gesehen habe. Jedesmal zieht es mich dorthin. Besonders im Sommer mit dem traumhaften Grabschmuck. Diese Vielfalt, diese Farbenpracht. Ein ganz einfacher, aber liebevoll gepflegter Friedhof.

Hier oben, auch das durfte ich mehrmals erfahren, trauert man noch wahrhaftig. Man kannte sich, man sah sich, man redete miteinander. In Zürich, Bern, Uzwil, Nyon, Rorschach, Wil, Grenchen, Lugano gilt Massenabfertigung. Herz still, aus dem Sinn. Ab unter den Boden.

Fotoquelle: hammerschweizer

Musikgesellschaft, Jugendverein, Kirchenchor, Guggenmusik, Damenturnverein, Männerverein, Samariterverein. Klar dass da in in so einem kleinen Dorf man wachsam sein muss, damit die Vereine am Leben bleiben. Man strengt sich echt an, um den Leuten etwas bieten zu können. Aber die rund 320 Bewohner hier oben können das noch, was Städter nicht mehr kennen: Zusammenhalten!

Solche Eingangstüren gibt es viele im Dorf, sie stehen unter Schutz.

Fotoquelle: hammerschweizer

Das Hotel La Poste wurde in den letzten Jahren modernisiert, unter anderem einige Zimmer. Es gab, so wie ich hörte, auch Wirtewechsel. Übrigens: Die schönsten Ecken von Simplon Dorf habe ich Ihnen bewusst nicht gezeigt. Weil man das vor Ort gesehen haben muss.

Für Hammerschweizer: P.H.